Beckmann statt Ballermann Die Art Cologne kommt nach
Palma de Mallorca
Der Kunstmarkt
läuft so formidabel, da werden auf Auktionen nicht nur Höchstpreise
erzielt, es entstehen auch überall neue Kunstmessen. Nach Dubai und
Schanghai präsentierte jetzt Mallorca seine erste Verkaufsschau. Gestemmt
hat sie die Kölnmesse zusammen mit der Landesregierung der Balearen. Bei
der Art Cologne unter der Leitung
von Gérard
Goodrow fand man es an der Zeit, das Image der ältesten Kunstmesse der
Welt – nach dem Vorbild der Art
Basel Miami Beach – mit einer neuen "location" zu verjüngen, sowie
andere Käuferschichten zu erobern; schließlich haben etliche Unternehmer
und Prominente auf Mallorca ein Feriendomizil. Die spanische Insel
arbeitet indes schon länger daran, ihren (gar nicht mehr gültigen)
Pauschalreise-Ruf durch Investitionen in die Kultur aufzupolieren. Das
neue Museum für zeitgenössische Kunst, Es
Baluard, ist ein solcher Schritt, nun auch die Art
Cologne Palma de Mallorca.
 Auf
der Art Cologne Palma de Mallorca Foto:
Koelnmesse
55 Galerien aus zwölf
europäischen Ländern sowie Israel, Mexiko und Korea nahmen an der Premiere
am Flughafen von Palma teil. Die ehemalige Abfertigungshalle ist freilich
fern des Charmes der Stadt Palma. Inhaltlich wollte man kein Risiko
eingehen, weshalb handelstaugliche Wage dominierte. Das Teilnehmerfeld
beschreibt Messechef Goodrow, als "nicht bombastisch, aber solide". Der
spanische Ableger geriet also nicht zum "Spiegelbild der Art Cologne", wie
die Veranstalter vorab verkündet hatten. Das Angebot umfasste, wie in
Köln, das gesamte 20. Jahrhundert von Picasso,
Miro und Modigliani
bis Warhol, Serra,
Immendorff.
Neben Malerei und Fotografie erhielt die Skulptur durch eine Sonderschau
am Flughafen und in Palma besonderes Gewicht.
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Ernst Ludwig Kirchner, Totentanz der Mary
Wigman, 1926/28
Die Basler Galerie Henze
& Ketterer & Triebold zeigte ein fabelhaftes Kabinett
deutscher Expressionisten: Ernst
Ludwig Kirchners Totentanz der Mary Wigman, den er 1926/28 im
Querformat in leuchtenden Farben auf die Leinwand bannte, stand dort für
2,4 Millionen Euro bereit. Chillidas
seltene Terrakotta-Skulptur Lurra M-20 war bei Rieder
aus München für 280 000 Euro zu haben; Johannes
Faber hatte aus Wien präsentierte Fotografen der Klassischen Moderne
von Man Ray bis Heinrich
Kühn. Mezzanin
inszenierten stimmig die Doppelschau von Katrin
Plavcak und Christina
Zurfluh. Kleindienst
war mit seinen jungen Leipzigern vertreten, während DNA
aus Berlin eine Dokumentation der bizarren Performances von Tatsumi
Orimoto zeigte.
 Auf
der Art Cologne Palma de Mallorca Foto:
Koelnmesse
Die Idee der Messe ist
lobenswert, nicht zuletzt, weil sie starken mallorquinischen Galerien wie
etwa Pelaires,
die Jordi
Alcaraz und Rafa
Forteza zeigte, die Chance gibt, sich und ihre zauberhafte Stadt zu
präsentieren. Die Messe aber hat ihr Konzept noch nicht gefunden; zudem
wurden Kuratoren und Kunstvereinsleute in den Hallen vermisst. Dennoch hat
Gérard Goodrow die Gewissheit, dass er vier Jahre Zeit hat für das
Experiment Mallorca – so lange haben die deutsch-spanischen Partner
garantiert, die Messe jährlich in der dritten Septemberwoche zu stemmen.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Sammler künftig in dieser Zeit auch Urlaub
machen in Mallorca.
Sandra Kegel
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