Publikumsrenner: Athen Biennale geht in die
Verlängerung
 Marc
Bijl, Fundaments of Culture: The Pentagram, 2007 Courtesy:
The Breeder, Athens
Bei Publikum und Kritik
kommt die erste Ausgabe der Athen
Biennale so gut an, dass die Organisatoren beschlossen haben, die
Kunstschau noch bis zum 2. Dezember 2007 fortzusetzen. Zwei Jahre haben
die drei Kuratoren – Xenia
Kalpaktsoglou, die Direktorin der Deste-Stiftung
für zeitgenössische Kunst, der Künstler Poka-Yio
und der Kritiker Augustine
Zenakos – an der Realisierung ihres ambitionierten Projekts
gearbeitet. Die Deutsche
Bank fördert die Biennale als Hauptsponsor. Neben der Stärkung der
lokalen Kunstszene geht es den Veranstaltern vor allem darum, ein
internationales Forum der Diskussionen und des Austauschs zu schaffen. So
hat sich Athen mit den Biennalen in Lyon
und Istanbul
vernetzt, um gemeinsame Projekte zu realisieren.
 John
Bock, Lütte mit Rucola, 2006 Courtesy:
Klosterfelde, Berlin; Anton Kern, New York
Angesichts
der verheerenden Waldbrände, die die griechische Hauptstadt diesen Sommer
bedrohten, erhielt das Motto der zentralen Schau der Biennale, Destroy
Athens, eine zusätzliche Brisanz. Dabei geht es den
Ausstellungsmachern natürlich nicht um reale Zerstörungen. Sie wählten den
provozierenden Slogan, um auf das Leitmotiv der Präsentation zu verweisen
– die Auseinandersetzung mit nationalen Stereotypen, mit Athen als antiker
"Wiege der Demokratie" und dem modernen Image der Stadt als
Retsina-Paradies und Smog-Hölle.
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Ioannis Savvidis, Athenscope, 2007 Courtesy
of the artist
Technopolis,
ein Gaswerk aus dem 19. Jahrhundert, das inzwischen für
Kulturveranstaltungen genutzt wird, bietet den optimalen Rahmen für die
Ausstellung, zu dem über 60 internationale Künstler geladen wurden.
Darunter Charles
Avery, John
Bock oder Olaf
Nicolai, die in der Sammlung Deutsche Bank vertreten sind. Wie auch Julian
Rosefeldt, der Destroy Athens mit seiner krachenden "Detonation
Deutschland" eröffnet. Die in Zusammenarbeit mit Piero
Steinle realisierte Videoinstallation zeigt die Häusersprengungen der
Nachkriegszeit, mit denen die Vergangenheit radikal entsorgt werden
sollte. Der verwinkelte Kunstparcours führt durch enge Gänge und riesige
Maschinenhallen. Vorbei an Batterien alter Öfen, zwischen denen der New
Yorker Jungstar Terence
Koh geschwärzte Götterfiguren platziert hat. Sie zitieren Skulpturen
der Antike.
 assume
vivid astro focus, Afovi
Vevilosi Anekpliroton Fantasioseon, 2007 Courtesy:
Peres Projects, Los Angeles / Berlin
Der
Grieche Ioannis
Savvidis zeigt Pläne und Gebäude eines fiktiven, realsozialistischen
Athen – Berliner Mauer inklusive. Und er spielt den Gedanken durch, wie
die Metropole aussähe, wenn man Korinth zur Kapitale des Landes auserkoren
hätte. Einen ganzen Raum bespielt der junge Athener Stelios
Faitakis. Mit seinem goldglänzenden Wandgemälde – es zitiert Street
Art wie byzantinische
Ikonenmalerei und Gustav
Klimt – hat er ihn in eine Art Kapelle verwandelt. Während Bomber über
der Akropolis kreisen, treffen hier Sokrates
und orthodoxe Heilige auf Demonstranten, Polizisten und Terroristen. Ein
ebenso ästhetischer wie subversiver Kommentar zu Medienbildern, nationalen
Klischees – und gleichzeitig eine überaus passende Illustration des Mottos
der Ausstellung.
A. D.
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