Elger Esser, Fraisans, Frankreich 2006,
2006 Courtesy Galerie Thaddaeus
Ropac Salzburg/Paris
Wasser ist in Elger
Essers Bildern ein immer wiederkehrendes Motiv, seien es Flusslandschaften
oder Meeresbrandungen oder weit in die Landschaft ausholendes Schwemmland.
Das Urelement der Weltgenese allen Lebens steht in seiner Unendlichkeit
der Wiederkehr im Sinne von Novalis
für die zentrale Manifestation der Romantikthesen. Die Erhöhung des
Gemeinen, indem der Künstler es für uns Betrachter bildhaft dingfest macht
im Tableau an der Wand - all das verbindet Elger Esser mit den
romantischen Beweggründen für eine künstlerische Praxis. Manche seiner
Landschaften wirken wie Traumbilder, wie Sequenzen einer Grenzwelt
zwischen Realität und Imagination.
 Elger
Esser, Amboise, Frankreich, 2006 Courtesy
Galerie Thaddaeus Ropac Salzburg/Paris
Idealtypisch muten viele Ansichten an, kompositorisch aufgehoben durch
eine stilsichere Homogenität der Bildkomposition. Hier ist Elger Esser
Maler, hier baut er Bildräume wie mit dem Pinsel in der Hand an der
Staffelei, wenn er die großformatige Plattenkamera aufstellt, er auf
seinen vielen Reisen Halt macht und einer Natur seine Reverenz erweist,
die mehr und mehr zurückgedrängt wird - ohne dabei in klischeehafte
Ökologiekritik abzudriften.
 Elger
Esser, Combray (Mittelbergheim), 2007 Courtesy
Galerie Thaddaeus Ropac Salzburg/Paris
Reisen
bildet, bedeutet Welterfahrung des Ich, Reisen ist Zeitvermessen,
Innehalten und Innenschau. Im Reisen erfährt der Mensch sich als Teil
eines universellen Größeren, es ist die Sublimierung des eigenen
Lebensweges. Und mit dem Reisen verbindet sich immer die Entdeckung des
Unbekannten. So wie es die Romantiker noch mit Gefahren erlebten, mit
Abenteuer und Wagnis. Reisen hat auch mit Vergehen zu tun, mit Abschied
und mit Wehmut.
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Elger Esser, Combray (Auberive II), 2007 Courtesy
Galerie Thaddaeus Ropac Salzburg/Paris
Von
dieser Art Reisen, die zusehends verloren zu gehen droht, erzählen die
Fotografien Elger Essers, vom Dagewesensein, vom Berichten an uns
Betrachter und von der Schönheit der Erinnerung. Nicht im anekdotischen
Sinn, sondern im ikonoklastischen, denn Erinnerung hat immer auch mit
Bildern zu tun, mit dem inneren Film, den wir immer und immer wieder
einlegen, bis diese verblassen und aufgehen in einem Gesamtbewusstsein des
Vergangenen. Essers Bilder haben mit Sehnsucht zu tun, dem Wunsch, etwas
festzuhalten, was doch losgelassen ist, längst und unumkehrbar.
 Elger
Esser, Combray (Airaines), 2007 Courtesy
Galerie Thaddaeus Ropac Salzburg/Paris
Darin
liegt die leise Melancholie verborgen, die seinen Fotografien innewohnt.
Das ist der Schleier, den er oft erst beim Entwickeln in der Dunkelkammer
über die Bildfläche legt, der uns hineinzieht in ein überzeitliches,
jenseitiges Ahnen von Vergänglichkeit und Endlichkeit. Denn bei aller
Fassbarkeit und konkreten Zuordnung der Landschaftsporträts sind Elger
Essers Fotografien in ihrem Kern allgemeingültige künstlerische Sinnbilder
für eine recherche du temps perdu - der vergeblichen Suche
unserer Tage nach einer verlorenen Zeit.
 Elger
Esser, Combray (Arc-en-Barrois) , 2007 Courtesy
Galerie Thaddaeus Ropac Salzburg/Paris
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