Schwebende Autos, springende Wölfe Chinas
Kunststar Cai Guo-Qiang im New Yorker Guggenheim Museum
 Cai
Guo-Qian Tornado: Explosion
Project for the Festival of China, 2005 Foto
Hiro Ihara. Courtesy Cai Studio
Seine
spektakulären Feuerwerksinszenierungen haben ihn zu einem der
international bekanntesten chinesischen Künstler gemacht. Jetzt widmet das Solomon
R. Guggenheim Museum Cai
Guo-Qiang die bislang umfassendste Retrospektive. Gleichzeitig ist Cai
Guo-Qiang: I Want to Believe die erste Einzelausstellung des New
Yorker Museums, die einem in China geborenen Künstler gewidmet ist. Die in
enger Zusammenarbeit mit Cai – er lebt seit 1995 in New York – konzipierte
Schau präsentiert mehr als achtzig Werke.
 Cai
Guo-Qian Self Portrait: A
Subjugated Soul, 1985-89 Sammlung
Leo Shin Foto: Courtesy Cai
Studio
Einen Schwerpunkt bilden dabei
seine mittels Schwarzpulver realisierten Arbeiten: Explosion Events
, Feuerwerke, die er weltweit in mehr als zwanzig Städten detonieren ließ
und auf Videofilmen dokumentiert hat, sowie die Gunpowder Drawings.
1985 startete er mit dieser Serie großformatiger Zeichnungen, die bei
Explosionen von Schwarzpulver auf Papierbahnen entstehen. Auf drei Ebenen
der Museumsrotunde können die Besucher der Schau die Entwicklung seiner
Arbeiten in diesem außergewöhnlichen Medium verfolgen, das inzwischen zu
seinem Markenzeichen geworden ist.
Aber auch
einige von Cais bedeutenden Installationen sind in New York zu sehen. Wie Head
On – 99 lebensgroße Wölfe, die in einem hohen Bogen gegen eine
gläserne Mauer anrennen. Das energiegeladene Raubtierrudel entstand 2006
als Auftragsarbeit für das Deutsche
Guggenheim in Berlin. Der Künstler betrachtet es als Sinnbild für "die
universelle menschliche Tragödie, die aus diesem blinden Vorwärtsstürmen
resultiert, aus der Kompromisslosigkeit, mit der wir versuchen, unsere
Ziele durchzusetzen", wie Cai es in einem Interview
für db artmag formulierte.
|
Cai Guo-Qian Head
On, 2006 Sammlung Deutsche Bank; Auftragsarbeit
für das Deutsche Guggenheim Foto
Hiro Ihara. Courtesy Cai Studio
Ganz auf
die unverwechselbaren Räumlichkeiten des Guggenheim Museums zugeschnitten,
bietet die Ausstellung verschiedene neue, ortspezifische Varianten
früherer Installationen. Im Atrium der Rotunde lässt Cai für Inopportune:
Stage One neun Autos in der Luft schweben – gespickt mit blinkenden
Lichtröhren, die das Explodieren der Fahrzeuge simulieren.
 Cai
Guo-Qian Inopportune: Stage One,
2004 Installation Seattle Art
Museum Foto Hiro Ihara. Courtesy
Cai Studio
Für Venice’s Rent
Collection Courtyard werden vor Ort lebensgroße Lehmskulpturen
gefertigt, was eine ganze Ebene der Museumsspirale in eine dynamische
Künstlerwerkstatt verwandelt. Und An Arbitrary History: River,
ein gewundener Fluss aus Bambus und Kunstharz, schickt die Besucher in
einem Ruderboot auf eine interaktive Reise.
 Cai
Guo-Qiang Venice's Rent
Collection Courtyard, 1999
Deposito Polveri, Arsenale, 48. Venedig Biennale, 1999 Foto
Elio Montanari. Courtesy Cai Studio
Cais
vielschichtige Arbeiten fordern den Betrachter auf, sich auf andere
Wirklichkeiten einzulassen. Seit den frühen neunziger Jahren hat er rund
um den Globus eine Vielzahl von Projekten verwirklicht, bei denen er
traditionelle chinesische Kunst und Kultur mit westlichem,
postkonzeptionellem Denken verbindet. Ob er seine explosive Kunst auf
Papier bannt oder in den Himmel, Brücken, Drachen, schwarze Löcher aus
Licht und Farbe erschafft – stets unterminiert er vorgeprägte
Wahrnehmungsmuster und konfrontiert den Besucher mit den Widersprüchen
einer zunehmend globalisierten Welt. Im nächsten Jahr realisiert Cai
Guo-Qiang das publikumswirksamste Projekt seiner Karriere: als Art
Director of Visual and Special Effects wird er die Eröffnungs- und
Abschlussfeiern zur Sommerolympiade
in Peking wesentlich mitbestimmen – ein gigantisches Kunstspektakel für
vier Milliarden Fernsehzuschauer.
Cai
Guo-Qiang: I Want to Believe Solomon
R. Guggenheim Museum, New York 22. Februar - 28
Mai 2008
[1]
[2]
[3]
|