Sponsored by Deutsche Bank Miwa Yanagi im Museum of
Fine Arts in Houston
Wie geklont
wirkende junge Frauen, agile Großmütter, Märchenheldinnen, die zu bösen
Greisinnen mutieren – in ihren Fotoarbeiten setzt sich Miwa Yanagi auf
ganz eigenwillige Weise mit stereotypen Frauenbildern auseinander. Jetzt
zeigt das Museum of Fine Arts in Houston die erste amerikanische Soloschau
der jungen Japanerin.
 Miwa
Yanagi, Elevator Girl House B4, aus der Serie Elevator Girls Sammlung
Deutsche Bank ©Miwa Yanagi
Bereits
2004 widmete das Deutsche
Guggenheim in Berlin Miwa
Yanagi eine umfassende Museumsschau, auf die Einzelausstellungen in
Moskau oder Tokio folgten. Eine unfangreiche Auswahl ihrer Werke ist
derzeit in den USA zu sehen. Nach erfolgreicher Premiere im New Yorker Chelsea
Art Museum zeigt das Museum
of Fine Arts in Houston über 30 meist großformatige Fotoarbeiten sowie
ein neues Video der in Kyoto lebenden Künstlerin. Leihgeber und Sponsor
der Ausstellung ist die Deutsche
Bank, die Miwa Yanagi 2004 als Künstlerin des Geschäftsjahrs
vorstellte.
 Miwa
Yanagi, TheWhiteCasket, aus der Serie Elevator Girls, Sammlung
Deutsche Bank ©Miwa Yanagi
In
ihren Fotoserien untersucht Miwa Yanagi Rollenmuster, aber auch Sehnsüchte
und Fantasien der Frauen in Japan. Ihren endgültigen Durchbruch erlebt die
1967 in Kobe geborene Künstlerin mit den Elevator Girls
(1993-99) – aufwendig digital bearbeiteten Großformaten, die uniformierte
junge Frauen in futuristischen Raumkulissen zeigen. Die Serie basiert auf
den japanischen "Aufzugmädchen", uniformierten Hostessen, die in
Luxuskaufhäusern Fahrstühle bedienen. "Elevator
Girls sollen keine eigene Identität besitzen", schreibt Manon
Slome, Chefkuratorin am Chelsea Art Museum. "Durch die Uniformen wird
ihre Persönlichkeit ausgelöscht, damit sie das Branding des Geschäfts
verkörpern können. Sie werden so zu Projektionsflächen für die Gedanken
und Fantasien der Kunden. Ihre Rolle ähnelt der von Frauen in der
Pornografie – als reine Oberflächen sollen sie das Verlangen steigern, das
– so suggeriert es die Umgebung – nur durch Konsum befriedigt werden kann."
 Miwa
Yanagi, Yuka, aus der Serie My Grandmothers, 2001, Sammlung
Deutsche Bank ©Miwa Yanagi
In
leeren Shopping Malls hat Yanagi Gruppen von Frauen, die dem Typus der
Elevator Girls – jung, schlank, gut aussehend – entsprechen, fotografiert.
Im kühlen Ambiente der Konsumtempel, die sie zusätzlich noch am Computer
manipuliert hat, verwandeln sich ihre Modelle zu austauschbaren Objekten.
In einigen Arbeiten der Serie posieren sie wie Waren in Schaufenstern. Im
ersten Bild der vierteiligen Arbeit White Casket liegen drei dieser
Hostessen in knallroten Kostümen wie Leichen auf dem Boden eines Aufzugs:
Auf dem zweiten Bild umgibt sie in eine rote Flüssigkeit, die an Blut
denken lässt. Sie entspricht aber auch der Farbe ihrer Uniformen. Auf dem
letzten Bild sind nur noch kleine Lachen dieser synthetisch wirkenden
Substanz zu sehen. Die Essenz dessen, was die Elevator Girls verkörpern –
das Geschäft, in dem sie arbeiten.
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Miwa Yanagi, Hiroko, aus der Serie My
Grandmothers, 2001, Sammlung
Deutsche Bank ©Miwa Yanagi
Miwa
Yanagi setzt sich in Elevator Girls auch mit in der
Konsumgesellschaft fetischisierten Eigenschaften wie Jugend und Schönheit
sowie Anpassung und Konformismus auseinander. Ihre nächste Serie My
Grandmothers (seit 1999) ist dagegen dem Thema Alter gewidmet. Hier
stehen die Wünsche individueller Frauen im Zentrum ihres Interesses. Für
das Projekt befragte sie junge Japanerinnen, wie sie sich ihr Leben in 50
Jahren wünschen würden. "Sie haben zwar bestimmte Vorstellungen, was ihre
Zukunft anbetrifft", erklärt die Fotokünstlerin, "aber es fällt ihnen sehr
schwer, sie in Worte zu fassen. Es wirkt, als ob sie ihre Sehnsüchte
unterdrückt oder in ihrem Inneren eingeschlossen hätten." In ihren Bildern
lässt die Yanagi diese Fantasien dann Wirklichkeit werden. Ob sie sich mit
wehender Frisur im Beiwagen eines Motorrads oder als grauhaarige Domina
imaginieren, die mit Hilfe von Make Up und digitalen Retuschen gealterten
Frauen passen sich in keiner Weise traditionellen Erwartungshaltungen an.
 Miwa
Yanagi, Gretel, aus der Serie Fairy Tales 2004 Sammlung
Deutsche Bank, ©Miwa Yanagi
Im
Gegensatz zu diesen computerbearbeiteten Farbfotografien setzt Miwa Yanagi
bei den 2004 entstandenen Fairy Tales auf klassisches Schwarz-Weiß.
Wie bei ihren Grandmothers arbeitet sie allerdings wieder mit
Spezialeffekten und Make-Up, um junge Mädchen in die Rolle von Greisinnen
schlüpfen zu lassen. Die fantastischen Traumszenarien und unheimlichen
Räume, die sie für ihre Inszenierungen erschafft, sind dabei alles andere
als bloße Illustrationen von Märchen wie Rapunzel
oder Schneewittchen.
So umarmt Rotkäppchen
ihre Großmutter in der aufgeschlitzten Bauchhöhle des erlegten Wolfes
während Gretel
in eine schrumpelige Hand beißt, die sich ihr in den dunklen Käfig hinein
entgegen streckt. Die bösen Stiefmütter und Hexen, die im klassischen
Märchen junge Mädchen quälen, finden hier ebenbürtige Gegnerinnen.
 Miwa
Yanagi, Sleeping Beauty, aus der Serie Fairy Tales 2004 Sammlung
Deutsche Bank, ©Miwa Yanagi
Yanagis
Dornröschen schnappt sich ihre Spindel und attackiert eine alte Frau, die
am Spinnrad sitzt. Junge, unschuldige Märchenheldinnen mutieren zu
bedrohlichen, bösartigen Geschöpfen. Miwa Yanagis jüngste Serie erscheint
als ganz eigene, subversive Interpretation von Grimms
Märchen – als ein mit sexuellen und tiefenpsychologischen
Anspielungen durchsetzter Alptraum.
Miwa
Yanagi – Deutsche Bank Collection 10. Februar bis 4. Mai Museum
of Fine Arts, Houston
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