In dieser Ausgabe:
>> Freisteller / Whitney Biennale / Miwa Yanagi in Huston
>> Cai Guo Qiang / Dare to Struggle, Dare to Win

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Shen Wei, Jenn, Las Vegas, Nevada, 2006,
Courtesy of the Artist


Die Auseinandersetzung mit der Situation in China ist allerdings nur ein Aspekt der Arbeiten in der Ausstellung, die ihren Titel dem legendären Kleinen Roten Buch verdankt. Dare to Struggle, Dare to WinWage zu kämpfen und wage zu gewinnen – ist das siebte Kapitel der 1966 erschienenen "Mao-Bibel" überschrieben. Mit Sprüchen wie "Völker der ganzen Welt, vereinigt euch, besiegt die USA-Aggressoren und alle ihre Lakaien!" widmet es sich dem Kampf gegen den Imperialismus der Vereinigten Staaten. Über vier Dekaden später wirken die Zitate des "großen Vorsitzenden" und die ideologischen Auseinandersetzungen wie Relikte einer längst vergangenen Epoche. China hat sich radikal gewandelt, der Wettbewerb zwischen beiden Staaten hat sich auf die wirtschaftliche Ebene verlagert. Und die chinesische Kunstszene profitiert vom rasanten wirtschaftlichen Aufstieg und einer neuen Schicht wohlhabender Sammler.



Shen Wei, Jenn, Las Vegas, Nevada, 2006,
Courtesy of the Artist

Die 60 Wall Street Gallery setzt gerade nicht auf abgesicherte Positionen. Sondern präsentiert aufstrebende Talente, die im Begriff sind, sich in der New Yorker Szene zu etablieren. Häufig stehen Fragen der Identität im Zentrum ihrer Arbeiten. So porträtiert Shen Wei auf den C-Prints seiner Serie Almost naked ganz unterschiedliche Menschen – vom Priester bis zum Transvestiten. Die elegischen Aufnahmen verströmen ein Gefühl von Melancholie und Verlorenheit, die seine Protagonisten – trotz aller Differenzen in Bezug auf Herkunft, Alter oder Status – zu teilen scheinen.


Shen Wei, Jan, Mason, Texas, 2005 , Digital C-Print
Courtesy of the Artist


Eric Jiaju Lee verbindet traditionelle chinesische Maltechniken mit westlicher Abstraktion. Inspiriert von Naturwissenschaft und Science Fiction schafft er organische Formen, die an Nervenbahnen oder Zellstrukturen erinnern und sich in einem undefinierbaren Raum zwischen Mikro- und Makrokosmos bewegen.



Eric Jiaju Lee, Beyond 7 and 10, 2007
Courtesy of the Artist


Alexander Lee,Tere-he Overcome by Numbness, 2007, THE DEPARTURE OF THE FISH: REDUX, Courtesy of the Artist and Clementine Gallery


In mythische Gefilde taucht Alexander Lee ein. Vor drei Generationen siedelte seine Familie von China nach Tahiti über. Lee, der in Paris Modedesign und in New York Kunst studiert hat, arbeitete als Studiomanager von Matthew Barney. Wie dieser verwendet auch Lee bevorzugt ungewöhnliche Materialien: dunklen Vulkansand, Schlacke oder Epoxydharz. In seinen surrealen Skulpturen verarbeitet er Erinnerungen an die schwarzen Strände seiner Jugend auf Tahiti ebenso wie den Schöpfungsmythos der Südseeinsel oder einen tragischen Flugzeugabsturz vor ihrer Küste. Blaue Kristalle wuchern auf dem Körper einer Seejungfrau, auf ausgerissenen Beinen haben sich Muscheln angesiedelt.


Shih Chieh Huang, BSB- K, 2007
Courtesy Virgil de Voldere Gallery


Mit einer simplen K-Mart-Plastiktüte und einem per Computer gesteuertem Föhn kommt dagegen Shih Chieh Huang für seine Arbeit BSB-K aus. Die Tüte, die sich aufbläht, um dann wieder zusammenzufallen, wirkt wie ein befremdlicher Organismus. Seine wuchernden Installationen, die letztes Jahr auch auf der Biennale in Venedig zu sehen waren, bestehen aus billigen oder gefundenen Materialien. Auf eindrückliche Weise feiern sie die Schönheit des Profanen.

Auch wenn die Arbeiten in Dare to Struggle, Dare to Win einen sehr subjektiven Überblick geben, wirft die Ausstellung stereotype Vorstellungen über den Haufen – nicht nur über chinesische Kunst. "Die Künstler der Schau repräsentieren die neue Stimme Chinas", sagt Eric C. Shiner, "und darüber hinaus verkörpern sie die wirklich international gewordene Identität Asiens."


Dare to Struggle, Dare to Win
bis 30. April 2008
Deutsche Bank
60 Wall Street Gallery
New York, NY 10005

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