"Kontexte verschieben und sichtbar machen" Kuratorin
Angelika Stepken über "Freisteller" im Deutsche Guggenheim
 Angelika
Stepken, Villa Romana 2008 Foto © Gregor Hohenberg
Angelika
Stepken ist Leiterin der Villa Romana in
Florenz. Seit 1905 beherbergt das von dem Maler Max
Klinger gegründete Haus die Preisträger des ältesten deutschen
Kunststipendiums. Die Stipendiaten der Villa Romana werden jedes Jahr von
einer unabhängigen Jury, der Künstler und Kuratoren angehören, ausgewählt.
Mit Freisteller präsentiert Angelika Stepken im Deutsche Guggenheim
nun die Arbeiten der Villa Romana-Preisträger 2008: Dani Gal, Julia
Schmidt, Asli Sungu und Clemens von Wedemeyer.
Wie kamen Sie
auf den Titel der Ausstellung Freisteller?
Der
Titel versucht, eine Schnittstelle zwischen den vier künstlerischen
Positionen zu streifen. Die Künstler – Dani
Gal, Julia
Schmidt, Asli
Sungu und Clemens
von Wedemeyer – sind ja nicht für eine spezifische Ausstellung,
sondern als Preisträger der Villa
Romana 2008 ausgewählt worden. Aber ein gemeinsames Moment – in
unterschiedlicher Weise behandelt – ist das der Freistellung: Dinge frei
zu setzen, Kontexte zu verschieben und sichtbar zu machen. Asli Sungu
beispielsweise löst die Malerei von der Wand, baut eine Farbwand aus
Wandfarbe.
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Julia Schmidt reproduziert Bildvorlagen, indem nur ganz
bestimmte Motive nach langwierigen Übermalungen sichtbar werden. In
Clemens von Wedemeyers Filmen agieren die Protagonisten stets wie
Platzhalter und Dani Gal verschiebt in seinen neuen Arbeiten die Autorität
von Texten hin zum Benutzer: stellt ihm frei, sie zu aktivieren.
Wie
präsentiert man so unterschiedliche Künstler im Deutsche
Guggenheim?
Wir sind mit dem Raum auch als einem
Platzhalter umgegangen. Die Arbeiten werden hier temporär zu sehen sein.
Für diese temporäre Nutzung brauchen wir bestimmte Konventionen des
Ausstellungsraums nicht, zum Beispiel die Schließung der Fensterfront oder
die Wand, die ihn zum Besuchertresen hin abgrenzt. Die Wände des
Ausstellungsraums werden von den Werken fast nicht berührt: Julia Schmidts
Malerei hängt an einer vorgelehnten, leichten Stellwand. Von Wedemeyers Probe
implantiert eine artifizielle Backstage-Box in den Raum. Dani Gals
Sound-Arbeit ertönt erst dann, wenn Besucher über ihre Bewegungen im Raum
zwei Plattenspieler in Gang setzen, auf denen LPs mit Tondokumenten
bedeutender Architekten des 20. Jahrhunderts aufliegen. Asli Sungus
Arbeiten sind ohnehin freistehend: eben die Farbwand und eine neue
vierteilige Videoarbeit, die auf Monitoren gezeigt wird.
Die
Schau zeigt einen subjektiven Ausschnitt der zeitgenössischen deutschen
Kunstszene. Was will sie den Besuchern vermitteln?
Was heißt
"subjektiver Ausschnitt"? Sie stellt größtenteils für diese Ausstellung
produzierte Arbeiten von vier Künstlern vor, die mit dem Villa
Romana-Preis ausgezeichnet wurden, weil sie für herausragend erachtet
wurden. Es geht in diesen Werken um Fragen der Bildproduktion heute: darin
fließen Reflektionen über das Verhältnis von Fiktion und Realität, Wert
und Ware, Geschichtsschreibung und Autorenschaft ebenso ein wie
biografische Erfahrungen. Bei Asli Sungu spielt die Erfahrung zwischen den
Kulturen eine wichtige Rolle, die Erfahrung von Zuhause und Entfernung und
ein beharrlicher Trotz gegenüber Erwartungshaltungen.
Als
Leiterin der Villa Romana ist Ihnen die Vernetzung mit den internationalen
Kunstszenen sehr wichtig, gerade weil Florenz nicht zu den führenden
Zentren der Gegenwartskunst zählt. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich
wünsche mir, dass die Villa auf beiden Ebenen funktioniert, als
Künstlerresidenz und als Ausstellungsort, dass sich die Villa sowohl nach
außen als auch nach innen als kommunikatives Forum des künstlerischen
Austauschs etabliert.
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